Versteckte Ecken von Wien: Bezirke, Märkte und Parks jenseits des Rings

Wohin, wenn der erste Bezirk abgehakt ist: die Grätzl, Märkte, Bauten und Grünflächen, die dort anfangen, wo der Ring aufhört.

Wiens historisches Zentrum lässt sich an einem Vormittag ablaufen, und genau dort konzentrieren sich die meisten ersten Besuche. Deshalb gibt es diesen Artikel: Die interessante Frage ist nicht, was man im ersten Bezirk sehen sollte, sondern was man an dem Nachmittag macht, an dem man damit durch ist.

Alles hier liegt außerhalb der Ringstraße. Nicht weil das Zentrum Ihre Zeit nicht wert wäre, sondern weil Wien draußen deutlich wohnlicher wird und deutlich weniger Aufführung. Jenseits des Rings ändert sich der Maßstab: Wohnstraßen, Grätzlmärkte, große Parks und Bauten, die selten in ein erstes Programm passen.

Das Zentrum selbst geht bequem zu Fuß — genau darum ist unser Audioguide durch die Wiener Altstadt gebaut. Das hier ist der Guide für den Tag danach.

Kurz gefasst

   
Bestes Grätzl für einen halben Tag Neubau, der 7. Bezirk — Läden, Gassen, Kaffeehäuser
Bester Marktvormittag Brunnenmarkt und Yppenplatz in Ottakring
Überraschendster Bau Otto Wagners Kirche am Steinhof — nur von Mai bis September geöffnet
Ruhige Grünfläche Der Augarten im 2. Bezirk
Für einen eigenwilligen Nachmittag Der Zentralfriedhof oder der Böhmische Prater
Anreise Alles mit den Öffis erreichbar; einige Außenziele brauchen Bus und ein kurzes Stück zu Fuß
Zeitbedarf Ein halber Tag pro Grätzl; die Außenziele sind je ein eigener Ausflug

Die Grätzl

Das sind Orte, an denen man einen Nachmittag verbringt, keine Sehenswürdigkeiten zum Abhaken. Suchen Sie sich eines aus, laufen Sie es ab, essen Sie dort.

  • Neubau, der 7. Bezirk, ist der einfachste erste Schritt: Er beginnt direkt hinter dem MuseumsQuartier, man tritt also aus einem Museum und ist schon drin. Die Neubaugasse und die Seitengassen halten unabhängige Läden, Second-Hand- und Vintage-Händler, kleine Galerien und eine sehr hohe Kaffeehausdichte bereit. Am östlichen Rand liegt Spittelberg: enge Kopfsteinpflastergassen mit Biedermeierhäusern — den Großteil des Jahres still, im Dezember Schauplatz des Spittelberger Weihnachtsmarkts.
  • Das Karmeliterviertel im 2. Bezirk liegt nur jenseits des Donaukanals und fühlt sich weit weg an. Vor der Schoah war dieser Teil der Leopoldstadt eines der Zentren jüdischen Lebens in Wien. Eine sichtbare jüdische Gemeinde gehört heute wieder zum Viertel, neben den Kaffeehäusern, Lokalen und dem Marktleben rund um den Karmelitermarkt. Der Markt ist der Ankerpunkt: ein funktionierender Grätzlmarkt mit Bauernmarkt-Bereich freitags und samstags und einer Reihe von Lokalen.
  • Ottakring, der 16. Bezirk, bietet den stärksten Marktkontrast zur Innenstadt. Der Brunnenmarkt zieht sich fast einen Kilometer mit rund 170 Ständen und ist türkisch, Balkan und wienerisch zugleich. An seinem oberen Ende ist der Yppenplatz ein Platz voller kleiner Lokale und Kaffeehäuser rund um feste Marktpavillons, freitags und samstags mit Bauernmarkt.
  • Das Servitenviertel im 9. Bezirk ist die ruhige Variante: ein paar Fußgängerstraßen um eine Barockkirche, kleine Lokale, und Freuds Wohnung ein paar Minuten entfernt.
Handwerksstand am Spittelberger Weihnachtsmarkt im 7. Wiener Gemeindebezirk
Spittelberg am Ostrand von Neubau: Biedermeier-Gassen mit Kopfsteinpflaster, fast das ganze Jahr still und im Dezember voll.

Bauten, für die sich der Weg lohnt

Drei davon kosten echte Fahrzeit. Alle drei lohnen sich, und bei zweien überraschen die Öffnungszeiten.

  • Otto Wagners Kirche am Steinhof ist der Bau, um den herum man planen sollte. 1904–07 auf einem Hügel im 14. Bezirk als Anstaltskirche eines psychiatrischen Krankenhauses errichtet, ist sie Jugendstil ersten Ranges: von Weitem sichtbare goldene Kuppel, Marmorverkleidung, Glasfenster von Koloman Moser und ein Innenraum, der in Abstimmung mit den Ärzten auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zugeschnitten wurde — Bänke ohne scharfe Kanten, ein eigener Arztraum, Notausgänge. Die Saison ist der Grund, warum die meisten Besucher sie nie sehen. Die Kirche wird vom Wien Museum betreut und ist von Mai bis September geöffnet, von Oktober bis April geschlossen. In der Saison: Dienstag bis Samstag 10–17 Uhr, Sonntag 11–17 Uhr, gelegentlich länger, wenn die Kirche für Veranstaltungen gebucht ist. Eintritt 5 €, ermäßigt 4 €; unter 19 Jahren frei, ebenso für alle am ersten Sonntag im Monat. Der Zugang führt nur über Stufen und ist nicht barrierefrei.
  • Die Wotrubakirche im 23. Bezirk ist das genaue Gegenteil: eine Kirche aus rund 150 unregelmäßigen Betonblöcken, in den 1970ern zusammengesetzt, von außen wie ein Trümmerhaufen und von innen verblüffend. Die Öffnungszeiten sind knapp und liegen meist am Wochenende — vorher nachsehen.
  • Der Zentralfriedhof im 11. Bezirk hat die Größe einer Kleinstadt. Über drei Millionen Menschen sind hier bestattet — mehr, als Wien heute Einwohner hat — auf rund 330.000 Grabstellen. Der Grund hinzufahren sind die Ehrengräber beim Tor 2: Beethoven, Schubert, Brahms, Johann Strauss und ein Denkmal für Mozart, der am St. Marxer Friedhof begraben wurde, wo die genaue Lage seines Grabes unbekannt ist. Der alte jüdische Teil beim Tor 1 ist stark überwachsen und atmosphärisch etwas völlig anderes als der formelle Ehrengräberbereich.
Baumallee am Wiener Zentralfriedhof
Der Zentralfriedhof hat die Größe einer Kleinstadt. Die Ehrengräber der Komponisten liegen beim Tor 2.

Grün und Wasser

Wien ist ungewöhnlich grün, und viele der größten Erholungslandschaften liegen außerhalb des ersten Bezirks.

  • Der Augarten im 2. Bezirk ist ein ummauerter Barockpark — die älteste erhaltene Gartenanlage ihrer Art in Wien, und gratis. Zwei riesige Flaktürme aus Beton stehen bis heute darin.
  • Der Prater ist nicht das Riesenrad. Der Wurstelprater ist nur eine Ecke davon; der Rest ist ein ehemaliges kaiserliches Jagdgebiet mit der 4,5 Kilometer langen Hauptallee von Praterstern bis zum Lusthaus, und dort läuft, radelt und liegt die Stadt.
  • Die Donauinsel ist eine 21 Kilometer lange künstliche Insel, als Hochwasserschutz gebaut und als Strand genutzt: Schwimmen, Lokale, Grillzonen und sehr viele Räder. Die Alte Donau, ein abgetrennter Flussarm, ist ruhiger, mit Bootsverleih und Badestellen.
  • Der Lainzer Tiergarten ist ein ummauertes ehemaliges kaiserliches Jagdrevier im Westen mit Rot- und Schwarzwild; darin steht die Hermesvilla, die saisonal geöffnet ist.
  • Der Böhmische Prater auf einem Hügel im 10. Bezirk ist ein winziger Vergnügungspark, der seit 1882 läuft — mit einem denkmalgeschützten hölzernen Pferdekarussell von 1890 und Fahrgeschäften, die älter sind als jede Nostalgie für sie.
Baumbestandene Parkallee mit Bänken im Herbst in Wien
Die größten Grünflächen der Stadt liegen alle außerhalb des Rings — und die meisten kosten nichts.
Rote Gondel des Wiener Riesenrads vor dem Himmel
Das Riesenrad ist eine Ecke des Praters. Der Rest ist ehemaliges kaiserliches Jagdgebiet.

Märkte sind der einfachste Einstieg

Wenn Sie einen einzigen unkomplizierten Weg aus dem Zentrum suchen: Bauen Sie einen Vormittag um Brunnenmarkt und Yppenplatz in Ottakring oder um den Karmelitermarkt im 2. Bezirk. Beide verbinden Alltagsstände mit Lokalen, beide haben freitags und samstags einen Bauernmarkt. Das Muster ist jedes Mal dasselbe: etwas kaufen, sich dann an einen Tisch vor den Pavillons setzen — und aus Kaffee und Kuchen wird ein Vormittag, der länger dauert als geplant.

Praktisches

Das meiste liegt außerhalb des Rings, was die Anfahrt zu einem Teil der Entscheidung macht und nicht zu einer Nebensache.

  • Anreise. Alles ist mit den Öffis erreichbar, auch wenn einige Außenziele Bus und ein kurzes Stück zu Fuß erfordern — darunter die Kirche am Steinhof und der Lainzer Tiergarten. Neubau ist vom Zentrum aus zu Fuß machbar, der 2. Bezirk eine kurze Straßenbahnfahrt; die Außenziele sind ein echter Ausflug, planen Sie für jedes einen eigenen Slot ein. Die Ticketarten funktionieren überall gleich.
  • Timing. Märkte besucht man tagsüber; die regulären Stände haben sonntags zu, manche Marktlokale bleiben offen. Die Kirche am Steinhof ist von Mai bis September offen und von Oktober bis April geschlossen. Grätzlspaziergänge funktionieren am späten Nachmittag und abends gut, Märkte eher früh.
  • Der Sonntag ist anders. Die meisten Geschäfte in Wien haben sonntags geschlossen, Marktstände inklusive; einige Läden an den großen Bahnhöfen und am Flughafen bleiben offen, ebenso manche Museums- und Souvenirshops. Museen, Parks, Kaffeehäuser und Lokale bieten weit mehr Sonntagsoptionen — Öffnungszeiten trotzdem einzeln prüfen. Planen Sie den Sonntag um diese herum, nicht ums Einkaufen.
  • Klug kombinieren. Karmeliterviertel und Augarten passen natürlich zusammen, und Neubau beginnt gleich hinter dem MuseumsQuartier. Ottakring, Zentralfriedhof, Kirche am Steinhof und die Grünflächen im Westen behandelt man besser als getrennte Ausflüge.
  • Das Zentrum separat buchen. Wenn Sie Außenbezirks-Nachmittage mit den großen Namen mischen, sind Zeitfenster-Tickets für Schönbrunn das Einzige, was sich vor der Anreise wirklich zu reservieren lohnt.
U-Bahn-Bahnsteig in Wien mit einfahrendem Zug
Nichts in diesem Guide braucht ein Auto. Bei manchen Außenzielen kommt am Ende ein Bus und ein kurzes Stück zu Fuß dazu.

Häufige Fehler

Bei den stillen Orten ist nicht die Menschenmenge das Risiko. Sondern der eine Nachmittag in der Woche, an dem zu ist.

  • Die Außenbezirke als Liste von Sehenswürdigkeiten behandeln. Das sind Orte zum Verweilen, nicht Motive zum Abfotografieren.
  • Zur Kirche am Steinhof in der Wintersperre fahren. Sie ist normalerweise von Mai bis September offen — prüfen Sie den aktuellen Saisonplan, bevor Sie losfahren.
  • Annehmen, Prater heiße Vergnügungspark. Der Wurstelprater ist nur ein Teil der viel größeren Praterlandschaft.
  • Sonntags auf einen Markt gehen. Die Stände sind zu, auch wenn die Lokale drumherum offen haben.
  • Drei weit auseinanderliegende Gegenden an einem Tag planen. Die Außenbezirke sind verstreut. Ein Hauptgrätzl oder ein Außenziel wählen und dann etwas in der Nähe ergänzen, statt mehrfach quer durch die Stadt zu fahren.

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Häufige Fragen

Was kann man in Wien jenseits des Zentrums machen?

Grätzl wie Neubau, Ottakring und das Karmeliterviertel; große Parks wie Prater, Augarten und Donauinsel; und Außenziele wie die Kirche am Steinhof und den Zentralfriedhof.

Welcher Wiener Bezirk eignet sich für einen halben Tag?

Neubau, wegen der Mischung aus Läden, Gassen und Kaffeehäusern — und weil er direkt hinter dem MuseumsQuartier beginnt.

Wann kann man die Kirche am Steinhof besuchen?

Sie ist von Mai bis September geöffnet und von Oktober bis April geschlossen, Dienstag bis Samstag 10–17 Uhr und Sonntag 11–17 Uhr.

Lohnt sich der Zentralfriedhof?

Ja, wenn Sie Weite und Stille mögen. Die Ehrengräber der Komponisten beim Tor 2 sind der übliche Anlass.

Welches sind Wiens Grätzlmärkte?

Der Brunnenmarkt in Ottakring und der Karmelitermarkt im 2. Bezirk, beide freitags und samstags mit Bauernmarkt.

Kann man in den Außenbezirken sicher spazieren gehen?

Das sind gewöhnliche Wohngegenden; die üblichen Vorsichtsmaßnahmen einer Großstadt reichen.

Wie kommt man dorthin?

Komplett mit den Öffis. Bei einigen Außenzielen kommen ein Bus und ein kurzes Stück zu Fuß dazu, aber nichts in diesem Guide braucht ein Auto.


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